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SCHRIFTGRÖSSEAAA

„Wenn Leute etwas für sich tun, dann tun sie letztlich auch immer etwas für die Stadt.”

Dr. Wilfried Reckert, Seniorenbeauftragter der Stadt Gelsenkirchen

Seit Jahren sind die ZWAR-Gruppen ein fester Bestandteil der Seniorenarbeit in Gelsenkirchen. Bis auf zwei Standorte sind in allen Stadtteilen mittlerweile Gruppen aufgebaut worden. Erheblichen Anteil daran, hat auch die Stadt, meint der Seniorenbeauftragte, Dr. Wilfried Reckert, und zählt die verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen auf: „Neben den Einladungen zu den Gründungsveranstaltungen, kümmern wir uns auch um die Vernetzung der verschiedenen Gruppen und geben das Geld dafür, dass neue Gruppen über zwei Jahre hauptamtlich begleitet werden.”

Für den Seniorenbeauftragten ist es außerordentlich wichtig, dass die Menschen rechtzeitig soziale Kontakte knüpfen. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel in seiner Stadt, sieht er großen Handlungsbedarf: „Wir haben in Gelsenkirchen jetzt ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung, die über 50 ist,” sagt er und ergänzt: „wir müssen diesen jungen Aktiven Engagementmöglichkeiten bieten.” Hinzu kommt, dass in dieser wirtschaftlich schwachen Region ein Großteil der Altersgeneration auch noch erwerbslos ist und aufgefangen werden muss. „Das ist eine große Zahl von Leuten,” meint Dr. Reckert, „die ganz viel Erfahrung, Potenzial, Ideen und Möglichkeiten haben, um sich mit anderen zusammen zu tun und etwas gemeinsam für sich und andere zu tun.”

 

Darum haben für ihn die ZWAR-Gruppen auch einen großen Stellenwert, weil den Menschen hier ein Freiraum geboten wird, sich selbst zu organisieren und zu verwirklichen. Was natürlich nicht jedermanns Sache ist, wie der Seniorenbeauftragte einräumt: „Das ist etwas Ungewohntes, denn in dieser Gesellschaft wird man organisiert - am Arbeitsplatz, in der Familie, wo auch immer.” Gerade deshalb ist er ein großer Befürworter des ZWAR-Gedanken, und sieht darin eine große Chance für jeden einzelnen: „Wenn die Leute bereit sind, sich dieser Anforderung zu stellen, dann ist das etwas, was viel Kreativität und Entwicklungschancen freisetzt.” Seine Erfahrungen bezieht Dr. Reckert nicht aus dem Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben, denn er ist selbst Mitglied in einer ZWAR-Gruppe. „Ich bin immer wieder begeistert und tief bewegt, zu sehen,” erzählt er, „wie aus einer grauen Maus eine schillernde Persönlichkeit wird.

 

”Neben dem Gewinn für die Menschen, sieht der Angestellte der Stadt in den ZWAR-Gruppen natürlich auch einen Nutzen für Gelsenkirchen. Gerade in Zeiten leerer Haushaltskassen eröffnet die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger enorme Möglichkeiten. „Unser Ideal ist eine Bürgerkommune, wo die Bürger selbst sagen, was hier passieren und gestaltet werden muss,” beschreibt er seine Vorstellung von zukünftiger Kommunalpolitik. Deshalb ist die Stadt auch bemüht, Strukturen zu schaffen, die Partizipation in großer Vielfalt ermöglichen. „Unsere Erfahrung ist,” ist er sich sicher, „wenn Leute etwas für sich tun, dann tun sie letztlich auch immer etwas für die Stadt.”