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SCHRIFTGRÖSSEAAA

„Ich bringe mich ein.”

Ilona Müller, ZWAR-Gruppe Bonn

Für viele ist das älter werden heute kein Thema mehr. Sie gehören zu der neuen Generation der jungen Alten. Wie Ilona Müller, die hin und wieder selbst zu sich sagen muss: „Oh, guck mal in Deinen Pass!” Sie fühlt sich mit 67 Jahren noch nicht alt. Und dennoch gab es vor einigen Jahren einen bedeutenden Einschnitt in ihrem Leben: Der Ruhestand. „Zehn bis zwölf Stunden habe ich jeden Tag gearbeitet,” erinnert sie sich, „und auf einmal brach alles weg, plötzlich war der Tag so lang.”

Viele Menschen fallen wie Ilona Müller in ein tiefes Loch. „Weil es im Alter sehr schwierig ist,” sagt sie, „wenn man es vorher nicht gelernt hat, selbst etwas für sich zu tun.” Darum plädiert sie auch dafür, dass sich die Erwerbstätigen schon frühzeitig auf den Moment vorbereiten. „Da ist ein großer Bedarf,” ist sie überzeugt. Deshalb misst sie der Arbeit von ZWAR eine sehr große gesellschaftliche Bedeutung bei: „Hier werden die Leute aufgefangen.”

 

Ihre Gruppe ist jetzt seit 2 Jahren zusammen. Nach der obligatorischen Begleitphase durch ZWAR, hat sich die Gruppe gut gefunden: „Das ist eine tolle Gemeinschaft, die miteinander umzugehen und einander zuzuhören gelernt hat. Wir sind uns auch menschlich näher gekommen und wir halten zusammen.” Aber neben dem guten Gefühl, das ihr die Gemeinsamkeit mit den anderen bringt, ist für sie auch noch etwas anderes genauso bedeutsam: „Dass ich der eigenständige Mensch bleiben konnte, der ich immer war.”

 

Für sie ist ihre ZWAR-Gruppe kein starres Gebilde, sondern ein Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Gruppen, die ihren unterschiedlichen Interessen nachgehen. Wie z.B. das Puppentheater ZWARLI, mit dem Ilona Müller gemeinsam mit ihren Mitspieler/innen bereits vor Publikum aufgetreten ist. „Das ist eine Art Sockentheater,” erklärt sie, „das kommt bei älteren Menschen richtig gut an.” Und weil es bei den Zuschauern so gut ankommt, sollen weitere Auftritte in Altenheimen folgen: „Wir haben einen Mann in unserer Gruppe, der spielt E-Gitarre und wenn der loslegt, dann reißt es den letzten aus dem Stuhl.”

 

Neben den Auftritten für ältere Menschen setzt sich Ilona Müller aber auch für junge Menschen ein: „Ich bin Lesepatin in der Stadtteilbibliothek.” Sie hilft Fünftklässlern der Realschule, ihre Leseschwäche zu verbessern. „Nachdem sie regelmäßig bei uns waren, sind ihre Noten um ein bis zwei Noten bessergeworden,” erklärt sie voller Stolz. Gleichzeitig betont sie, dass sie sich wünschen würde, dass noch viel mehr ältere und junge Menschen angesprochen werden, um sich um andere Menschen zu kümmern: „Jeder braucht Hilfe - die Schulen, Kindergärten und Altenheime. Aber es wird immer nur viel Lametta gemacht und nichts kommt dabei rum.”

 

Sie selbst sieht sich nicht als karitative Heilsbringerin und ist tunlichst darauf bedacht, nicht das Wort vom sozialen Engagement zu verwenden: „Das hat für viele so einen negativen Touch.” Ilona Müllersagt von sich selbst lieber ganz bescheiden: „Ich bringe mich ein.” Und das tut sie auch mit67 Jahren nach wie vor mit voller Energie und großem Herz.