• Sprache:
  • |tr|
SCHRIFTGRÖSSEAAA

"Für mich ist ZWAR mein Lebensinhalt geworden.“

Bruno Beyersdorff, ZWAR Netzwerk Münster

Als Bruno Beyersdorff seinerzeit aus dem Beruf ausgestiegen war, hatte er gedacht: „Jetzt mach` ich gar nichts mehr – höchstens noch den Kontoauszug holen.“ Das hat er dann auch eine Zeitlang so praktiziert, bis er nichts mehr mit sich anfangen konnte. So war es auch nicht verwunderlich, dass er zunächst sehr skeptisch war, als er die Einladung der Stadt Münster zum ZWAR-Gründungstreffen bekam. Aus der anfänglichen Reserviertheit wurde schnell Begeisterung, die bis heute anhält. „Vielleicht hört sich das übertrieben an,“ sagt er, „aber für mich ist ZWAR mein Lebensinhalt geworden.“

Lächelnd erinnert er sich an die Anfangszeit zurück, als er zum ersten Mal gemeinsam mit einem „Kumpel“ gefordert war, etwas für die Gruppe vorzubereiten. „Mensch, war ich da nervös!“, sagt er und grinst. Er ist sich sicher, dass er davon profitiert hat: „Eigentlich war ich früher ein ganz ruhiger Typ und heute bin ich viel offener geworden.“ Dazu beigetragen hat seiner Ansicht nach auch die Struktur der Gruppe, die ihm und allen anderen eine hohe Bereitschaft zur Selbstorganisation abverlangt: „Was wir nicht selbst machen, wird nicht gemacht!“

 

Und die Münsteraner machen viel: „Wir bieten praktisch jeden Tag etwas an – von der Fahrrad-Tour über Boule spielen bis hin zum zwanglosen Quatschen.“ Rund zwanzig Leute sind immer dabei und das kommt nicht von ungefähr, meint Bruno Beyersdorff: „Die Leute kommen zu ZWAR, weil sie sich angenommen und wohl fühlen.“

 

Treffpunkt der Gruppe ist das Bürgerhaus in Münster/Kinderhaus. Den Kontakt zu Jugendlichen und Kindern finden er und die anderen ZWARler und ZWARlerinnen hochinteressant und bereichernd für ihr Leben. Deshalb haben sie auch sofort zugestimmt, als der Leiter des Bürgerhauses die ZWAR Gruppe bat, in der örtlichen Behindertenschule den Lehrern bei der Betreuung der Kinder zu helfen. Die ersten Bedenken und Ängste wegen der fehlenden Ausbildung waren schnell verflogen. „Man wächst da irgendwie rein und das macht auch große Freude,“ erklärt er und ergänzt, „ich geh da praktisch als Opa hin.“

 

Überhaupt ist das bürgerliche Engagement für ihn und seine Gruppe selbstverständlich. Sie sind im Stadtteil mittlerweile gut bekannt und wenn etwas stattfindet, wie Stadtteilversammlungen oder Tanz in den Mai, werden sie dazu eingeladen. „ZWAR ist immer dabei!“, sagt Bruno Beyersdorff nicht ohne Stolz. Sie backen Kuchen, helfen hinter der Theke oder sorgen einfach nur für eine tolle Stimmung. „Das ist gut,“ meint er, „denn so lernt man auch wieder andere Gruppen kennen.“

 

Früher hatte der Münsteraner zu seiner Heimatstadtkeinen richtigen Bezug. Er kam spätabends von der Arbeit nach Hause und am Wochenende ging es raus zum Campingplatz. „Ich kannte keinen Menschen hier,“ beschreibt er seine damalige Situation. Die hat sich mit ZWAR grundlegend geändert. Bruno Beyersdorff ist angekommen. In seinem Ort. Und bei sich selbst.