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04.04.14

Selbstbewusst für realistische Altersbilder

Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW) hielt ihre Mitgliederversammlung 2014 in Rheine

 

Zur Mitgliederversammlung der Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW) reisten am Mittwoch, 2. April 2014, - dem offiziellen „Tag der älteren Generation“ – Delegierte aus 117 der 164 kommunalen Seniorenvertretungen nach Rheine. In der dortigen Stadthalle nahmen sie die Rechenschaftsberichte ihres neunköpfigen Vorstands rund um die Vorsitzende Gaby Schnell (Altenberge) entgegen und diskutierten rege die eingebrachten Anträge sowie die neu erarbeitete Empfehlung der LSV gegen Altersarmut. Viel beachtete Gastrednerin war am Vormittag Landesministerin Barbara Steffens.  

 

Sie sprach über die Herausforderungen, denen sich Land und Kommunen angesichts der sich verändernden Bevölkerungsstruktur stellen müssten. „Viele Menschen bleiben länger fit – aber dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen“, so die Ministerin. Ihr sei wichtig, das derzeitige  Altersbild zu hinterfragen und  im Umgang der Gesellschaft mit älteren Menschen eine neue Wertedebatte anzustoßen. Habe man früher Lebenserfahrung und Weisheit geschätzt, so würden heute Senioren nur allzu gerne auf „Kostenfaktoren und Belastung“ reduziert. Als wichtiges  Ziel nannte Barbara Steffens „Prävention im Alter“, vor allem im Gesundheitsbereich, der unbedingt „altengerechter“ gemacht werden müsse. „Eine gesundheits- und vor allem bewegungsfördernde Stadtentwicklung muss Normalität werden“, lud sie die Seniorenvertreterinnen und  -vertreter ein, sich besonders für die Quartiersentwicklung vor Ort stark zu machen und dabei ebenso die versteckte Armut im Blick zu haben wie Barrierefreiheit im Viertel sowie Schaffung oder Erhalt von Begegnungs- und Bewegungsmöglichkeiten.  

 

Noch gebe es keine endgültige Lösung bei der Frage der Verankerung der Seniorenvertretungen in der Gemeindeordnung, nannte die Ministerin vor allem an das Konnexitätsprinzip (wer bestellt, der bezahlt) als Problem – „da müssen wir neue Wege suchen, denn finanzielle Verantwortung muss dafür auch bei den Kommunen liegen“. Sie sei aber zuversichtlich, dass sich parteiübergreifend Lösungswege finden ließen. „Also geht es letztlich nur noch um das WIE“, fasste Gaby Schnell dies schließlich in ihrem Dank an die Referentin zufrieden zusammen.  

 

In ihren Grußworten hießen Dr. Angelika Kordfelder als Bürgermeisterin von Rheine und Bernhard Hembrock, der stellvertretende Landrat des Kreises Steinfurt, die Mitglieder willkommen. Horst Erle, Vorsitzender des gastgebenden Rheiner Seniorenbeirates, freute sich über die große Resonanz auf die Einladung, in der Stadt an der Ems zu tagen, die seit 34 Jahren einen Seniorenbeirat hat. Eine Urkunde für diese jahrzehntelange Vorreiter-Arbeit  nahm er stellvertretend für die vielen Engagierten entgegen.  

 

Hauptberatungspunkte waren die Anträge, die lokale Seniorenvertretungen aus ihrer täglichen Arbeit und Erfahrung entwickelt hatten und mit deren Umsetzung sie ihren Landesvorstand betrauten. So soll die LSV sich etwa beim zuständigen Ministerium für den Erhalt der bewährten Internetseite www.forum-seniorenarbeit.de einsetzen, deren finanzielle Förderung in diesem Jahr auslaufen soll. Den Verlust dieses virtuellen Informations- und Vernetzungsangebotes wollen die Seniorenräte nicht hinnehmen. Sich für "realistische Altersbilder" einzusetzen und damit gegen falsche Vorstellungen vom Alter und daraus folgender Altersdiskriminierung vorzugehen, ist ein weiterer Arbeitsauftrag für den LSV-Vorstand, der sich mit Verbandsvertretern anderer Generationen - etwa dem Landesjugendring - um einen Bewusstseinswandel bemühen soll.  

 

Veränderungen in den Köpfen zu erreichen,  sei die eine Sache, so die Seniorenvertreter. Doch auch ganz Handfestes beantragten sie etwa beim Vorschlag, zusätzliche Landesmittel für die Gestaltung der Quartiere und Stadtteile als Heimat für alle Generationen zu generieren. Dabei denken sie vor allem an den Einsatz so genannter "Kümmerer", die sich qualifiziert und ganz praktisch um die Entwicklung von solidarischen Strukturen und Netzwerken in den Städten und Gemeinden bemühen.  

 

Mit großem Interesse und Zustimmung nahm die Versammlung den Vorschlag des Arbeitskreises zur Kenntnis, der sich mit dem Thema "Altersarmut" intensiv beschäftigt hatte. Seine daraus erwachsenen "Handlungsempfehlungen" geben den Seniorenvertretungen vor Ort ganz konkrete Hinweise, wie sie das oft beiseitegeschobene Thema in ihren Kommunen immer wieder neu ins Gespräch bringen können: Sei es durch die Bitte um einen kontinuierlichen örtlichen Armuts- und Reichtumsbericht oder die Anregung zur Gründung von Bündnissen, Begegnungsforen und Netzwerken. Auch die Forderung nach oder das Initiieren von kostengünstigen Freizeitangeboten kann vor Ort ebenso erfolgreich sein wie der Einsatz für den Erhalt oder die Neueinrichtung von Ansprechstellen für Ältere.      

 

Gaby Schnell Vorsitzende der Landesseniorenvertretung NRW e. V.